Die Pubertät! Eine aufregende Zeit…

Wann sie genau beginnt, diese Pubertät, ist von Person zu Person unterschiedlich. Außerdem gibt es ja nicht diesen einen einzigen Tag, an dem es „Wusch“ macht und schon hat man sie. 😉 Einige Elfjährige sind schon mittendrin in der Adoleszenz, andere noch nicht. Und wieder andere noch länger nicht.

Kommen Jugendliche in die Pubertät, tut sich bei ihnen so einiges, sowohl körperlich als auch psychisch. Und genau darum muss es in Aufklärungsbücher für Jugendliche ab etwa elf Jahren gehen. Auch die Bücher für Volksschulkinder, die ich bereits vorgestellt habe, befassen sich mit diesen Veränderungen, damit Kinder schon mal erfahren, was sich bei ihnen alles tun kann.
Aufklärungsbücher für Jugendliche sind in Bezug auf jene Veränderungen konkreter und thematisieren nicht nur oberflächlich, was sich verändern kann, sondern geben praktische Tipps und sprechen Ängste und Unsicherheiten der Jugendlichen an. Dabei ist ein sensibler Umgang sehr wichtig.

Kleiner Tipp bezüglich sensiblem Umgang: Die Pubertät kann Jugendliche ganz schön irritieren und verunsichern und da hilft es wenig, wenn Erwachsene Dinge sagen wie „Die Pubertät ist eine schlimme Zeit, das wird alles ganz furchtbar. Aber da musst du durch.“.

Ja, die Veränderungen können manchmal überwältigen. Ja, auch für das Umfeld kann es ziemlich anstrengend sein. Aber eine ganze Entwicklungsphase als furchtbar zu beschreiben – insbesondere einer Person gegenüber, die das bald erleben wird oder bereits erlebt – ist leider nicht so super. Nur so am Rande. 😉

So, jetzt geht es aber um die Bücher! Auch hier wieder eine kleine Erinnerung daran, dass die Altersangaben von den Verlagen als Richtlinie gelten und die Bücher für 8- oder 9-jährige durchaus auch weiterhin spannend sein können.

Eine Fortsetzung

Müller, Jörg/Geisler, Dagmar (2017): Ganz schön aufgeklärt! Alles, was man über Aufklärung wissen muss.* ist aus der selben Buchreihe wie „Wie ist das mit der Liebe?“, das ich hier vorgestellt habe. Es ist zwar von einem anderen Autor und einer anderen Illustratorin, sie sind aber meiner Meinung nach aufbauend auf einander.

Die Illustrationen sind sehr schön gestaltet und wirklich humorvoll. Auch der Umgang mit den möglichen Veränderungen während der Pubertät wird mit viel Humor angesprochen und strahlt Lockerheit aus, die beruhigend wirken kann.

Das Buch ist sehr umfangreich und spricht viele Themen an.

In diesem Buch kommen erstmals Verhütungsmittel genauer vor, was sehr sinnvoll ist. Auch wenn die allerwenigsten Elfjährigen Geschlechtsverkehr haben, ist es gut, Verhütung zu thematisieren und die verschiedensten Varianten zu erklären. Ich finde es schön, dass auf alle Verhütungsvarianten eingegangen wird, auch wenn ich finde, dass das Diaphragma heute eine kaum verwendete Variante ist und ich ihr nicht unbedingt eine ganze Seite gewidmet hätte.
Es wird auch erstmals die Pille danach angesprochen und ein Schwangerschaftsabbruch erklärt. Schwierig finde ich wie auch schon bei „Wie ist das mit der Liebe?“ die Du-Form, denn insbesondere beim Thema Schwangerschaftsabbruch kann das viele Jugendliche irritieren, wenn gefühlt über sie geschrieben wird.

Was in der Pubertät neben Verhütungsmitteln als neues Thema dazu kommt ist der erste Besuch bei Gynäkolog*innen. In „Ganz schön aufgeklärt!“ wird besprochen, dass es sowohl männliche* als auch weibliche* Ärzt*innen gibt, und dass auch Urolog*innen sehr wichtig sind.

Ich war ziemlich begeistert zu sehen, dass die Klitoris in diesem Buch im Ganzen gezeigt wird und die Vulva endlich als solche bezeichnet wird. Deshalb sehe ich über den Begriff „Schamlippen“ hinweg. 😉 Immerhin wird auch das Hymen erklärt und der Mythos, dass Frauen* beim ersten Geschlechtsverkehr bluten müssen, angesprochen.

In diesem Buch werden verschiedenste Menschen mit unterschiedlichen Haut- und Haarfarben und Alter gezeigt, auch wenn der Großteil der Illustrationen Menschen mit weißer Hautfarbe zeigt. Intergeschlechtlichkeit kommt in diesem Buch nicht vor. Außerdem wird leider nicht durchwegs gegendert.

Im Kapitel „Liebe“ geht es um verschiedenste sexuelle Orientierungen und darum, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein. Die Illustrationen dazu finde ich sehr nett und gelungen. Beim Geschlechtsverkehr wird zwar der Penis in die Scheide geschoben, aber das finde ich noch passender als ein Penis, der irgendwo hinein „gesteckt“ wird. Dafür ist die Vagina hier leider ein Schlauch, aber das steht auch in den meisten Biologiebüchern so drin… Auch das oftmals illustrierte Bild der Spermien, die ein Wettrennen veranstalten, ist hier zu finden. Das ist zwar fehlerhaft, aber offenbar sehr beliebt  in  Aufklärungsbüchern.

Ich finde das Buch trotz mancher Kritik sehr gelungen und für Jugendliche ansprechend gestaltet. Es kommen viele wichtige Themen vor, wie die Veränderungen in der Pubertät und Körperpflege – die sollte sich nämlich mit der Pubertät ändern und das sollten Jugendliche erfahren. 😉

Binär, aber gut

Nie hätte ich mir gedacht, dass es Bücher mit den Titeln „Für Jungs“ und „Für Mädchen“ in meine Liste schaffen. Immerhin sind meine Kategorien doch etwas streng. Dann habe ich aber diese beiden Bücher entdeckt und war durchaus angetan davon.

Tielmann, Christian/Hellmeier, Horst (2018): Für Jungs: Pubertät, Körper und Gefühle.* und Kienle, Dela/Garanin, Melanie (2018): Für Mädchen: Pubertät, Körper und Gefühle.*, beide vom Carlsen-Verlag, entsprechen nicht meinen Klischees von Büchern für Buben und Mädchen. Prinzipiell mag ich Bücher nicht, die von vornherein zwischen den Geschlechtern unterscheiden, denn es setzt voraus, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Was machen Menschen, die sich hier nicht einordnen? Aber gut…

Die beiden Bücher haben mich dennoch überrascht.

Außerdem sind sie klein, dünn und somit sehr günstig. Es ist ganz gut, diese Bücher mit anderen Büchern, wie dem oben vorgestellten Buch zu kombinieren, weil sie eben manche Themen nur anreißen können.

Obwohl die Bücher kaum größer als ein Pixibuch sind und somit ihre Themen sehr genau wählen müssen, werden hier Geschlechterklischees thematisiert – und zwar abseits von „Burschen, zwingt Mädchen bitte nicht zum Sex.“. Ja, auch das hab ich schon gelesen in solchen Büchern. Diese beiden Bücher sind hier anders, denn es werden Klischees wie der „Harte Kerl“ aufgelockert und Schönheitsideale werden in BEIDEN Büchern angesprochen. Auch Sexismus und Gleichberechtigung werden sehr jugendgerecht und kurz erklärt.

Das sind alles Themen, die es oft nicht mal in ausführlichere Aufklärungsbücher schaffen.

Außerdem werden hier Themen wie Pornos und Sexting erklärt, was in vielen anderen Büchern für Jugendliche ab elf Jahren nicht vorkommt, aber ungemein wichtig ist. Es ist eine Tatsache, dass auch Elfjährige durchaus Kontakt zu Pornos haben, weshalb es wichtig ist, das Thema nicht zu ignorieren, sondern einen gesunden Umgang mit Medien im Allgemeinen zu erklären.

Spätestens die Seiten über Homosexualität, Trans- und Intergeschlechtlichkeit haben mich überzeugt, dass diese beiden Bücher keine klassisch-klischeehaften Rosa-Hellblau-Aufklärungsbücher sind, die es am Markt zu Hauf gibt. Auch die Illustrationen finde ich in beiden Büchern sehr gelungen.

Dadurch, dass die Bücher sehr knapp gehalten sind, ist es wichtig, sie nicht als einziges Aufklärungsbuch zu Hause zu haben. Ich bin grundsätzlich ein Fan davon, mehrere Bücher zur Verfügung zu stellen und sie zu kombinieren. Wer also ein nicht-klischeehaftes Buch sucht, das sich  explizit an Buben oder Mädchen richtet, wird hier fündig. Auch wenn ich mich immer wieder frage, warum es diese Trennung bei Aufklärungsbüchern überhaupt gibt, denn die interessanten Themen für Jugendliche sind wie bereits erwähnt sehr individuell und unabhängig vom Geschlecht.

 

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