Da denke ich, ich bin mit den Aufklärungsbüchern für Kinder durch – also mit denen, die ich trotz meiner strengen Qualitätskriterien für gut befunden habe – und schon springt mich ein weiteres Buch an!

Deshalb heißt es: Ein paar Schritte zurück! Oder eher ein paar Jahre zurück… Denn dieses Buch will ich dir nicht vorenthalten.

Ich habe ja bereits Aufklärungsbücher für Kinder ab 4 Jahren und ab 5 Jahren vorgestellt und damals gemeint, dass der Unterschied nicht wahnsinnig groß ist. Bei Kindern ab 6 Jahren, um die es hier geht, ist das schon ein bisschen anders. Einerseits interessieren sie sich für dieselben Themen, andererseits wissen sie oft schon ein paar Dinge, die 4-jährige vielleicht erst erfahren.
Nicht zu vergessen ist auch, dass sehr viele 6-jährige Kinder bereits in die Schule gehen. Auch wenn sie nicht sofort selber ihre Bücher lesen können, tut sich da in der Entwicklung schon einiges.

Die besonders interessanten Themen sind aber auch hier wieder der menschliche Körper, Schwangerschaft und Geburt bis hin zum Geschlechtsverkehr und Gefühlen. Mit all diesen Themen befasst sich das Buch, das ich dir heute vorstellen möchte.

Ich möchte dich nochmals daran erinnern, dass alle Kinder und alle Bedürfnisse unterschiedlich sind und die Altersangaben der Verlage nur als Richtwert dienen. So kann es sein, dass auch jüngere Kinder dieses Buch lieben, während es 6-jährige gibt, denen es zu umfangreich ist. Glücklicherweise findet man recht schnell heraus, ob es ihnen gefällt oder nicht. 😉

Solltest du über den Sommer vergessen haben, welche Kategorien mir für die Auswahl der Bücher wichtig sind, lies gerne hier nochmal nach.

Ein Buch von Hebammen

Meyer, Irene/Struck, Dagmar/Wille, Betti: Fisch und Schokolade. ist genau das, was der Titel verspricht, nämlich „ein Buch von Hebammen über Schwangerschaft, Geburt, Familie und Freundschaft“. Ja, all diese Themen sind in diesem Buch zu finden.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass das Buch 71 Seiten hat. Mal schnell vor dem Schlafengehen vorlesen geht damit nicht mehr so gut, was bei Aufklärungsbüchern auch je nach Kind nicht immer ratsam ist, weil danach viele Fragen in den Köpfen der Kleinen herumschwirren, die raus wollen und auf eine Antwort hoffen. Blöde Mischung, wenn man eigentlich grad ins Bett bringt. 😉

Das Buch ist in Bezug auf verschiedenste Familienformen divers gestaltet. Lea, die Hauptfigur des Buches, hat zwar heterosexuelle Eltern, aber es kommt auch eine Nachbarin vor, die alleine ein Kind bekommt. Der One Night Stand, bei dem sie schwanger wurde, wird im Buch natürlich kindgerechter umschrieben. 😉

Die Beschreibung, was Geschlechtsverkehr ist, ist sehr schön gelungen und lustbetont, was ich immer sehr wichtig finde. Ich persönlich würde Geschlechtsverkehr nur nicht anhand der Eltern erklären… Und „Liebemachen“ ist aus meiner Sicht sowieso ein irreführendes Wort für Kinder.

Obwohl ich verstehe, dass das Wort „Pimmel“ für Kinder (und auch für viele Erwachsene) sehr lustig ist, finde ich es merkwürdig, mehrfach von „Papas Pimmel“ zu schreiben.

Umso begeisterter bin ich von den Erklärungen von Eisprung, Befruchtung und Pubertät, auch wenn manche Erklärungen in diesem Buch für manche 6-jährige zu schwierig oder zu detailliert sein können. Darauf gilt es beim Vorlesen des Buches zu achten. Die Grafiken, die für die Erklärungen verwendet werden, sind aus meiner Sicht sehr gut gelungen.

In diesem Buch steht übrigens die Hausgeburt im Mittelpunkt, auch wenn die Geburt im Krankenhaus erwähnt wird. Dadurch bietet dieses Buch eine wunderbare Grundlage, um Geschwisterkinder auf eine mögliche Hausgeburt vorzubereiten.

Hier gibt es tatsächlich praktische Tipps, wie man eine Hausgeburt im Vorhinein besprechen kann.

Die Geburt selbst wird sehr ausführlich erklärt. Spätestens hier merkt man, dass  moderne Hebammen beim Verfassen des Buches am Werk waren, denn die wenigsten Menschen sprechen davon, ein „Baby herauszuschieben“ statt von pressen, was ich als Beckenbodentrainerin echt toll finde. In bisherigen Aufklärungsbüchern habe ich auch noch keine Beschreibungen von Dammnaht und Plazenta erlebt. Ich als Erwachsene fand diese Erklärungen sehr spannend, auch wenn ich denke, dass nicht alle Kinder an so vielen Details interessiert sind. Insbesondere die Grafik der Plazenta und das Besprechen, was mit ihr passieren soll nach der Geburt, ist durchaus mutig. Als Vorbereitung auf eine Hausgeburt, bei der das Geschwisterkind dabei sein soll, ist es aber umso wichtiger, auch diese Dinge zu besprechen, um mögliche Überraschungen und Verwirrung vorzubeugen.

Auch Ängste von werdenden Geschwistern, Komplikationen in der Schwangerschaft und mögliche Hormonschwankungen nach der Geburt, aber auch das Kondom werden hier thematisiert.

Schade fand ich, dass so moderne Hebammen weiterhin von Schamhaaren schreiben. Außerdem wird hier behauptet, dass das unbefruchtete Ei mit der Menstruation aus dem Körper gespült wird, was meines Wissens nach so nicht stimmt.

Was ich leider wirklich furchtbar fand und weshalb ich sogar kurz überlegt habe, ob ich das Buch hier empfehlen soll, ist der Teil, in dem Lea sich einen Jungen als Nachbar wünscht, um mit ihm Mutter, Vater, Kind spielen zu können. Das ist mir wirklich zu heteronormativ, binär und noch dazu ziemlich unnötig. Ebenso unnötig finde ich übrigens die mehrfache Erwähnung von Cola für ein Kind im Volksschulalter…

Auch sonst ist das Buch leider sehr heteronormativ, binär und nicht divers. Nachdem aber die Grafiken und Erklärungen sehr gut gelungen sind und das Buch viele Themen behandelt, die in anderen Büchern ausgelassen werden, finde ich es dennoch empfehlenswert.

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