LAUFEN-LIEBEN-LEBEN präsentiert feierlich die erste Gastautorin im Blog: Lisa!
Lisa war unterwegs – alleine. Wie es ihr dabei ging, welche Abenteuer sie erlebt hat und was sie auf ihrer Reise gelernt hat, erzählt sie in diesem Blog. Auf geht’s nach Thailand!

Ich habe beschlossen, drei Wochen durch Thailand zu reisen – all by myself. „Du bist ja mutig“ und „Ich würde mich das nicht trauen“ waren die vorherrschenden Reaktionen, als ich dies meinen Freund*innen und meiner Familie mitteilte. Bei meiner Mutter konnte ich einen leichten Anflug von Todesangst erkennen. Ihre geliebte Tochter ohne Unterstützung in einem fremden Land voller böser Mosquitos, oder wie ich immer sage, Mojitos, dreckigem Wasser und dunklen, gefährlichen Straßen…

Jetzt kann ich sagen, ich habe es überlebt. 

Ich muss dazu sagen, dass ich mich gegen einen Island Hopping Backpacker Urlaub entschieden habe, da ich mit ganz bestimmten Erwartungen nach Thailand gereist bin. Ich spiele schon seit langem mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben und war davon überzeugt, dass dies nur funktioniert, wenn ich mich in die absolute Abgeschiedenheit einer kleinen Insel flüchte und den ganzen Tag fürs Schreiben nutzen kann.

Naja, so richtig ging der Plan nicht auf, aber dazu später mehr. 

Meine Reise führte mich zuerst nach Bangkok – 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von knapp 70 Prozent. Glücklicherweise war ich dafür mehr als bestens gewappnet, ich hatte ja meinen halben Kleiderschrank im Gepäck. Ich bin ohne großen Plan nach Bangkok gekommen, wollte die Stadt und die Bewohner*innen auf mich wirken lassen und bin mit dem Linienbus durch die Stadt getuckert. Wenn ich Glück hatte, dauerte so eine Fahrt schon einmal zwei Stunden. Über den Verkehr in Bangkok muss ich glaube ich nichts erzählen…

Summasumarum: Bangkok war schön, ich habe einen Cocktail über den Dächern getrunken, war im Königspalast und habe eine Mango auf der Straße gegessen. 

Doch dann ging es zum eigentlichen Part meiner Reise. Ich habe für zwei Wochen einen kleinen Bungalow auf einer Insel namens Koh Mak gemietet. Koh Mak ist eine 7,5 Kilometer lange Insel, gleich neben der etwas bekannteren Insel Koh Chang.

Vollkommene Ruhe, Natur und einsame Strände – herrlich!

Ich kam also auf Koh Mak an, wurde direkt vom Pier abgeholt und in meinen Bungalow manövriert. Da stand ich also mit meinem Koffer in der fünf Quadratmeter großen Holzhütte, eine Hello Kitty-Plüschdecke auf dem Bett, ein Schlauch als Dusche im Badezimmer und einem Spiegel, der mir leider nur den Anblick von meinen Knien zu meinem Bauchnabel schenkte. 

Versteht mich nicht falsch – die Anlage war wunderschön, ich hatte einen tollen Ausblick direkt aufs Meer und eine große Terrasse einschließlich Hängematte. Also es war schon sehr idylisch, aber im ersten Moment musste ich ein paar Tränen zurückhalten. Ich war einfach überfordert – die Schwüle, die Badezimmersituation, das riesige Poster über meinen Bett mit zwei asiatischen Zwillingsbabys – es war einfach zu viel.

Aber auch das ging vorbei. Ich lebte mich ziemlich schnell ein, lernte tolle Menschen kennen, lieh mir einen Motorroller aus und erkundete die Insel. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so tolle, menschenleere Strände gesehen zu haben. Ich schnorchelte, tanzte, lag in der Sonne, kämpfte mich durch den Dschungel, aß, trank, schlief – das Einzige, was ich nicht machte, war Schreiben. Eine ganze Woche lang nicht.

Ich gebe zu, ich hatte einfach Angst zu beginnen. Wenn ich etwas beginne, bringe ich es auch zu Ende. Dann gibt es kein Zurück mehr. Dann wird das Buch geschrieben. Natürlich kommen hier und da Zweifel auf, ob ich dafür bereit bin und genug Talent dafür habe.

Nach circa einer Woche im Paradies überfiel mich die Traurigkeit – sie kam wie aus dem Nichts, schlich sich still und leise von hinten heran. Ich war deprimiert, vermisste meine Familie, war wütend auf mich selbst, dass ich nicht das machte, wofür ich hergekommen bin. Mir war heiß, die Gekos in meinem Zimmer waren viel zu laut und das Bett viel zu hart. 

Doch dieses Gefühlschaos brachte mich dazu, mit dem Schreiben zu beginnen. Ich schrieb, ohne nachzudenken, ohne Plan, und es funktionierte. Die Geschichte zeichnete sich von Wort zu Wort deutlicher ab. Ich konnte die Charaktere schon vor mir sehen. Es war wie ein Befreiungsschlag. 

Ab diesem Tag ging es mir besser. Ich hörte auf, mir so einen Druck zu machen. Ich beschloss, glücklich mit dem zu sein, was ich hier habe und einfach das zu machen, worauf ich Lust habe. Trotzdem beschloss ich, Koh Mak schon etwas früher zu verlassen und mir noch die Nachbarinsel Koh Chang anzusehen. 

Ich wusste nicht, dass ich mich einmal so über Warmwasser in der Dusche oder ein Leintuch als Bettdecke freuen würde. Ihr müsst wissen: Ich bin echt nicht zimperlich, aber auf Koh Mak zu leben war schon ein kleines Survival Training.

Da war ich jetzt auf Koh Chang, erkundete die Insel mit meinem Motorroller, kaufte Souvenirs am Pier, ließ mich bei einem Bamboo Artist tätowieren und aß meinen ersten Burger seit drei Wochen. Ich war glücklich, meine Reise so abgeschlossen zu haben.

Jetzt, wieder zurück in Wien, habe ich ein paar Tage gebraucht, um meine Eindrücke richtig verarbeiten zu können. Ich glaube manchmal immer noch nicht, dass ich es wirklich gemacht habe – alleine zu verreisen. Dass ich alleine zu Abend gegessen habe, alleine durch Bangkok gedüst bin, alleine mit meinem Problemen klargekommen bin…

Es hat mich offener gemacht, ich bin ruhiger geworden. Mein eigentliches Ziel, mit meinem Buch zu beginnen, habe ich erreicht. Aber was noch viel wichtiger ist: Ich habe auch mein persönliches Ziel erreicht.

Ich habe die Herausforderung gemeistert und es hat mir auch noch Spaß gemacht. 

Also wenn du mit dem Gedanken spielst, als Solo Traveler die Welt zu bereisen, lass dich nicht von Zweifler*innen davon abbringen. Es ist es wert! 😉

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