Während unserer Reise ist sie eskaliert, die Neurodermitis. Und wie!

Vor ein paar Jahren habe ich erfahren, was dieser komische juckende Ausschlag ist, der immer an den selben Stellen – nämlich am Hals und in den Armbeugen – auftaucht. Nach vier Hautärzt*innenbesuchen und einer letztendlichen Konsultation einer Privatärztin hatte ich endlich eine Antwort. Daraufhin hieß es alle paar Wochen mal mit Cortison eincremen, wenn die Flecken kamen. Wann sie genau auftauchten, war irgendwie nicht klar – Stress, Wollpullover und Schals, aber auch Schwitzen können ihren Teil dazu beitragen.

Kurz vor der Reise ist es dann schlimmer geworden. Auf der Reise selbst ist es ausgeartet. Ich hatte eine Neurodermitisstelle am Augenlid – total super. Und meine gesamte Kopfhaut war betroffen. Beides hatte ich vorher noch nie. Das Ding am Augenlid hab ich durch meine Creme halbwegs weg bekommen, die Flecken am Hals und an den Armen waren hartnäckiger – auf die Kopfhaut konnte ich mir die Creme natürlich nicht schmieren. Einerseits, weil das mit den Haaren ziemlich unpraktisch ist, und andererseits aus Angst, die Creme in den zwei Monaten ganz aufgebraucht zu haben und dann nichts mehr tun zu können.

Drei Wochen vor der Heimreise hab ich es nicht mehr ausgehalten und bin eine halbe Stunde zu Fuß zur nächsten Apotheke gegangen – das Dachzelt war schon aufgebaut und ich konnte nicht mehr mit dem Auto hinfahren. Dort bekam ich ein stinkendes Shampoo, das ein wenig Abhilfe brachte. Aber eben nur als Akutbehandlung…

Als ich nach Hause kam, lag mein Histaminbefund, den ich vor der Reise machen ließ, im schier unendlichen Stapel an Post, der sich in zwei Monaten anhäuft. Der Befund sollte schon vor der Reise ankommen, tat es aber nicht. Befund: Histaminintoleranz.

Die ersten Tage nach dem Befund dachte ich mir „Ach, ist ja egal. Ich hab ja eh keine Magenschmerzen oder so.“. Die Untersuchung habe ich gemacht, weil ich mich schon vor der Reise oft verschnupft gefühlt habe, ohne wirklich krank zu sein.
Dann habe ich begonnen, wegen meiner Neurodermitis zu recherchieren – und siehe da! Beides kam zusammenhängen…

Und damit war es klar: Ich muss Histaminfasten, um herauszufinden, ob es daran liegt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir noch, dass das ja nicht so tragisch sein kann. Die klassischen Histaminbomben Rotwein und alter Käse mag ich sowieso nicht.

Nachdem wir ja seit ein paar Monaten wieder zur Ernährungsberatung gehen, erzählte ich ihnen von meinem Problem und bekam Hilfe – und eine Liste. Da wurde mir klar, dass das ganze doch nicht so easy ist, wie gedacht. Beim Blick auf die Liste wurden mir zwei Dinge bewusst:

  1. Es ist überall Histamin drin.
  2. Es wird eine Qual, sich daran zu halten.

Beim Überfliegen der Liste schossen mir erst mal Tränen in die Augen, weil so viele gute, gesunde Dinge wegfallen, die ich liebe: Avocado, Tomaten, Trockenobst, Spinat, Himbeeren, Erdbeeren, Ananas, Kichererbsen, Kaffee, Schwarztee, Räucherlachs, Prosciutto, Nüsse… Und so weiter.

Mir wurde auch klar, warum meine Neurodermitis auf der Reise so aus dem Ruder gelaufen ist: Ich habe fast täglich Avocado mit Tomaten, sehr oft Erdnussbutter oder sonstige Nüsse und Beef Jerkey gegessen, Kaffee und Alkohol getrunken. Koffein und Alkohol hemmen den Histaminabbau, was in der Kombination wirklich ungünstig ist…

Aber was ist Histamin überhaupt?

Hier ganz kurz die Hard Facts:

  • Histamin gehört zu den biogenen Aminen.
  • Histamin kommt sowohl in pflanzlichen und tierischen Gewebezellen, aber auch in menschlichen Körperzellen vor. Es wird vom Körper selbst gebildet und durch die Nahrung aufgenommen.
  • Der Histamingehalt von Speisen und Getränken ist unterschiedlich hoch.
  • Jede*r Histaminintolerante reagiert unterschiedlich auf verschiedene Speisen.
  • Bei den meisten Betroffenen beginnen die Probleme erst beim Übergang in den Dünndarm, wo die Diaminoxidase beherbergt ist. So heißt das Enzym, das Histamin abbaut und unschädlich macht. Bei Betroffenen ist zu wenig von diesem Enzym vorhanden.
  • Histaminintoleranz ist eine Pseudoallergie, weil es im Gegensatz zu einer Allergie nicht zu einer Antikörperbildung kommt – dennoch können Symptome wie bei einer Lebensmittelallergie auftreten.
  • Es gibt histaminreiche Lebensmittel, die aufgrund ihrer Herstellung oder Lagerung viel Histamin enthalten – alte Käsesorten, Rotwein, Wurst etc.
  • Es gibt aber auch Histaminliberatoren, die zwar selbst nicht viel Histamin enthalten, aber Histamin aus den Körperzellen freisetzen – Alkohol, Tomaten, einige Nüsse etc.
  • Alkohol und Koffein hemmen die Diaminoxidase, also den Histaminabbau.
  • Auch Lebensmittel, die zwar keinen hohen Histamingehalt, dafür aber andere biogene Amine haben, die auch durch diese Diaminoxidase abgebaut werden, können problematisch sein – so beispielsweise Bananen.
  • Die Symptome können ganz unterschiedlichst sein – bei mir ist es eben Neurodermitis.

Wo wie viel Histamin enthalten ist, findet man in den Unmengen an Listen im Internet. Nachdem mir allerdings aufgefallen ist, dass die Angaben hier teilweise recht unterschiedlich sind, habe ich mir eine Liste meiner Ernährungsberatung geben lassen – auf der Liste stehen nur die Dinge drauf, die ich essen darf, und ein paar Dinge, die ich meiden soll. So war die Auswahl, was ich essen darf, nicht ganz so schwierig. Im nächsten Post gibt es übrigens meine Liste und ein paar einfache histaminarme Rezepte.

Ein weiterer Tipp ist die App „ALL I CAN EAT“, die auch für andere Unverträglichkeiten eine tolle Unterstützung ist.

Essen ist für mich im Moment ziemlich zach.

Es war also Histaminfasten angesagt. Man könnte meinen, dass ich es eh schon gewöhnt bin, nicht mehr alles essen zu dürfen, weil ich das ja schon von der Ernährungsumstellung von vor ein paar Jahren gewöhnt bin, aber… Nein!

Damals habe ich von ungesunden Lebensmitteln auf gesunde umgestellt – diesmal darf ich ziemlich viel gutes und gesundes Zeug nicht essen. Und das ungesunde natürlich auch nicht.
Damals hab ich das ganze freiwillig gemacht und wusste, dass ich ab und zu sündigen darf. Jetzt darf ich das nicht. Und wenn es mal nicht anders geht, wie beispielsweise beim Hochzeitstortenverkosten neulich, muss ich ein DAOsin nehmen, das dem Körper zusätzlich diese Histaminabbauenzyme zuführt.
Damals sind die Speisekarten in Lokalen meist auf drei Gerichte zusammengeschrumpft. Jetzt bleibt von den drei Gerichten meistens gar nichts übrig und muss mir alles abändern lassen, wenn überhaupt… Neulich habe ich eine Kellnerin überaus verwirrt, weil ich veganes Pesto und Hühnerbrust bestellt habe. An einem anderen Tag wurde ich von einem Kellner gefragt, ob ich nicht lieber was anderes bestellen kann, wenn ich da so viel weg lasse, weil das ist ziemlich mühsam für ihn. Das war ein ganz besonders tolles Gefühl… Als würde ich meinen Burger mit Vollkornbrot gerne ohne Tomaten und einer Scheibe Käse essen…

Kurzum: Essen hat die letzten Wochen wenig Spaß gemacht. Dabei esse ich so gerne! Und ich probiere auch gerne aus. In letzter Zeit aber eben nicht…

Ich gebe zu, die ersten drei Wochen ziemlich verzweifelt gewesen zu sein. Ich wollte gar nichts… Mich hat alles genervt. Sogar, wenn mir jemand netterweise einen Kaffee angeboten hat – dabei kann ja die andere Person beim besten Willen nichts dafür, dass ich seit über einem Monat ohne Koffein lebe. Immerhin ist Koffein auch nicht wahnsinnig gesund, also schadet das sicherlich nicht.

Mittlerweile habe ich zumindest ein wenig mehr Motivation zurück bekommen und ich versuche mich nicht unterkriegen zu lassen.

Vielleicht helfen aber auch einfach die   Vitamintabletten. 😉 Durch das Weglassen so vieler Lebensmittel fehlt nunmal einiges an Nährstoffen, egal, wie sehr ich mich bemühe, es auszugleichen, was ich in letzter Zeit körperlich gespürt habe.

Ein Monat histaminarm. Jetzt wird getestet.

Der erste Monat mit histaminarmer Ernährung ist jetzt um und es nervt mich zwar immer noch, es ist aber zumindest schon ein wenig mehr Gewohnheit dabei. Nachdem meine Neurodermitis viel besser geworden ist, lag es wohl daran – und das motiviert mich, den Mist durchzuziehen. Das ständige Kratzen, das sogar nachts Patrick aufweckt, ist ja auch keine Dauerlösung.

Nach einem Monat des Fastens habe ich letzte Woche begonnen, zu testen, worauf ich reagiere. Es ist nämlich so: Jede*r reagiert auf die verschiedenen Histaminbomben und Histaminliberatoren unterschiedlich. Also heißt es individuell austesten.

Wie? Indem ich mich pro Woche für eine im letzten Monat verbotene Sache entscheide, die ich einfach esse. Natürlich nicht in Massen, sondern gemächlich. Dann schaue ich, was passiert.

Letzte Woche waren Tomaten dran. Klar, die anderen „verbotenen“ Lebensmittel wären geiler gewesen – mein erster Impuls wäre sicherlich etwas anderes gewesen – , aber schon mal für einen Monat ganz ohne Tomatensauce gekocht? Ich habe mir Pizza ohne Tomatensauce bestellt, verdammt! Das ist wirklich zach. Die Tomatensauce in manchen Rezepten mit Karottensaft ersetzen hat die Sache nun wirklich nicht besser gemacht…
Blöderweise schaut es so aus, als würde ich Tomaten weder in frischer noch in zergatschter Form gut vertragen. Sie kommen jetzt mal auf die rote Liste und kommende Woche wird etwas Neues getestet. Ich weiß noch nicht was, aber es steht ja reichlich auf der Liste, also mir wird nicht fad… Und irgendwann teste ich wieder Tomaten, um zu schauen, was passiert.

Diese Woche wollte ich auch etwas austesten, muss es jetzt aber lassen. Am Wochenende waren wir bei einer Hochzeit und ich habe mehrere DAOsin genommen, um das tolle Essen genießen zu können. Ich glaube, dass das auch so gepasst hat. Nur mit dem Alkohol hat sich mein Körper nicht so vertragen und ich bin wieder fleckig. Also muss ich die Flecken jetzt erst mal wieder loswerden, bevor ich weiter austesten kann.
Alkohol trinke ich normalerweise ohnehin kaum, weil ungesund und schlecht für die sportliche Leistung. Aber bei so einem feierlichen Anlass ein wenig Wein und Sekt zu trinken sollte drin sein, dachte ich mir. Falsch gedacht. Deshalb wird die nächste Hochzeit Anfang Juli bei mir alkoholfrei. Auch in Ordnung. Ich verzichte lieber auf Alkohol als auf all die anderen Dinge, die ich im Moment nicht darf.

Ich halte dich jedenfalls auf dem Laufenden. 😉

Histamin – Neurodermitis – Sport.

Ach ja, eine der schlimmsten Erkenntnisse war, dass Sport die Histaminfreisetzung erhöht. Außerdem sollte man während eines Neurodermitisschubs keinen Sport machen, weil der Schweiß das ganze natürlich verstärkt. Das war beides schon ein ziemlicher Schock…

Ich mache trotzdem Sport.

So streng auf meine Ernährung zu achten ist schon schlimm genug, aber keinen Sport zu machen – das halt ich nicht aus. Mal abgesehen davon, dass ich im Sommer auch ohne Sport schwitze… Bisher hätte ich keine Verschlimmerung durch Sport bemerkt.

 

Tja, so sieht es jetzt also gerade bei mir und meiner eingeschränkt-faden Ernährung aus. Ich bin gespannt, wie es weitergeht… Solltest du auch von Histaminintoleranz betroffen sein: Durchhalten! Nach dem Histaminfasten kommt das Austesten und hoffentlich die Erkenntnis, dass eh nicht alles zu einem Schub führt, sondern nur ein paar Lebensmittel gemieden werden sollten. Dieser Gedanke hält mich jedenfalls bei Laune. 🙂

 

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