Okay, ich gebe es zu… Auf Reisen Blogposts zu schreiben ist gar nicht mal so leicht – zumindest für mich nicht. Im Campervan war wenig Platz und nicht immer funktionierendes Licht, die Gemeinschaftsräume auf den Campingplätzen waren entweder nicht vorhanden oder überfüllt… Und dann wäre da noch das Internet! Deshalb musstest du jetzt leider einen ganzen Monat darauf warten, zu erfahren, wie es auf unserer Reise durch Neuseeland weiterging, nachdem wir den Abel Tasman National Park verlassen haben.

Mittlerweile sind wir zurück in Wien und dank meines gemütlichen blauen Ohrensessels und funktionierendem Internet kann es jetzt endlich weiter gehen mit meinen Erzählungen! Es gibt also in den kommenden Wochen so einiges zu lesen…

Schön, dass du noch da bist und mich bei meinen Erinnerungen an eine wundervolle Reise begleiten möchtest. 🙂

Der Weg zum Glacier County.

Wir sind gerade bei Tag 13, also dem 15. März 2018.

Obwohl der Abel Tasman National Park traumhaft schön war, war es an der Zeit, dem Norden der Südinsel Neuseelands den Rücken zu kehren und uns weiter Richtung Süden zu begeben.
Davor sind wir aber erst einmal beim Cape Foulwind stehen geblieben, um den Leuchtturm und die Seehundkolonie dort anzuschauen. Die Beine wollen ja bekanntlich vor einer langen Autofahrt nochmal ausgeschüttelt werden. Und danach. Und zwischendurch auch. Aber das geht halt nicht immer.

An diesem Tag ging das allerdings vergleichsweise gut, weil wir mehrere kleine Zwischenstopps am Weg hatten. So zum Beispiel die Pancake Rocks und Blowholes. Der zwanzigminütige kostenlose Rundweg zu den Pancake Rocks war sehr eindrucksvoll trotz Regen.
Zum Trocknen und Aufwärmen ging es danach noch ins nahegelegene Pancake Rocks Café, um die essbare Variante der Rocks zu kosten. Die Pancakes waren wahnsinnig gut, der Service leider nicht… Aber gut, war trotzdem cool, genau dort Pancakes zu essen. 😉

Gestärkt und voller Zucker waren wir für die lange und regnerische Strecke Richtung Hokitika bereit. Den kleinen Ort kennt man vor allem wegen der schönen Sonnenuntergangfotos am Strand mit dem Ortsnamen aus Holz darauf.
Ich wollte dort natürlich auch ein hübsches Foto machen. Nun ja… Sagen wir es so… Ich habe mein Foto bekommen, aber halt mit Regen. Und es war ur kalt. Deshalb waren wir auch nicht besonders lang dort. Aber hey, auch Regenfotos sind schön, wenn man dabei am Strand ist. 🙂

Nass und durchgefroren ging es weiter zu unserem eigentlichen Ziel an diesem Tag: Dem Campingplatz in Ross Beach, ein Top 10. Der Campingplatz besteht aus modernen, überraschend schicken Containerhütten. Alles wirkte sehr neu dort.
Den Ausblick aufs Meer konnten wir zwar Weltuntergangsbedingt erst am nächsten Tag beim Frühstück genießen, dafür war das Frühstück direkt am Strand genial. Und zwischendurch sind Häschen bei uns vorbei gehoppelt!

Der Abschied von den Häschen ist mir zwar schwer gefallen, war aber notwendig, um zum Glacier County zu kommen und Franz Josef und Fox Gletscher zu sehen.

Ersteren haben wir aus 750 Metern von der Gletscherzunge entfernt bewundert – der eineinhalbstündige Fußweg hin und zurück hat sich ausgezahlt und war mit Wasserfällen direkt neben dem Weg sehr eindrucksvoll.

Der Ort Franz Josef selbst ist wenig reizvoll und ein wenig überlaufen. Dafür kann man Unmengen an Aktionen buchen. Sowas wie Helihiking, wo man mit dem Helikopter zum Gletscher fliegt und anschließend drei Stunden lang auf dem Eis herumklettert. Das und vieles andere mehr haben wir ausgelassen. Einerseits, weil auf Eis spazieren ziemlich kalt klingt und uns die letzten Tage eh andauernd kalt war, und andererseits, weil wir schon andere spektakuläre Pläne hatten: Skydiving!

Zum Fox Gletscher gibt es auch einen Weg, um noch näher als beim Franz Josef Gletscher an die Gletscherzunge heran zu kommen. Leider war der Weg unwetterbedingt geschlossen und beim Fox Gletscher gibt es allgemein weniger Optionen, ihn zu sehen. Deshalb haben wir uns entschieden, im Örtchen Fox Skydiven zu gehen. Dort sieht man während des Sprungs nämlich beide Gletscher, was sonst nicht möglich ist!

Am nächsten Tag in der Früh war es dann so weit…

Aus einem Flugzeug springen… Ernsthaft?

 

Es gibt nichts besseres, um in der Früh wach zu werden, als aus einem Flugzeug zu springen. Nichts. Kein Kaffee oder Mate der Welt kann das toppen. Nur die Vorfreude und Panik vor eben jenem Sprung können einen ähnlich wach machen…

Mein erster Fallschirmsprung! Die Location hätten wir kaum besser wählen können. Beim Skydive am Fox Gletscher sieht man nämlich nicht nur wie bereits erwähnt gleichzeitig zwei Gletscher, sondern auch Regenwald und das Meer. Ziemlich coole Mischung.

Günstig ist sowas natürlich nicht… Das Angebot, bei 16.500 Ft aus dem Flugzeug zu springen, hat uns 399 NZD pro Person gekostet, die Fotos und Videos nochmal 179 NZD. Dank unserer Top 10-Karte haben wir darauf allerdings noch 10 Prozent Rabatt bekommen.

Bei der Skydivebase angekommen war mir schon mal richtig schlecht. Ich mein, ich spring ja nicht jeden Tag aus einem superkleinen Flugzeug aus 16.500 Ft Höhe. Also ich war echt nervös. Panisch. Aufgeregt.
Der lustige lila Overall hat mich da auch nicht beruhigt… Mein Guide Jonny, mit dem ich gemeinsam aus dem Flugzeug springen sollte, hat mich mit seiner lockeren und gleichzeitig vertrauenserweckend-seriösen Einschulung zumindest ein wenig beruhigt.

Nach einem kurzen Video ging es auch schon weiter zu diesem unfassbar kleinen Spielzeugflugzeug, aus dem ich rausspringen sollte. Ich mein, what?

Aber hey, wir hatten wahnsinniges Glück mit dem Wetter! Die Skydives vom Vortag mussten teilweise abgesagt werden, weshalb eine junge Frau aus Schweden mit uns im Flugzeug war.

Mit dem Spielzeugflugzeugchen ging es in Kreisen nach oben auf 13.500 Ft, wo sich die Schwedin und ihr Guide in Luft auflösten – quasi. Dabei zuzuschauen, wie jemand aus einem Flugzeug springt, ist schräg. Zu wissen, dass man die nächste ist, erst recht. Am schlimmsten ist es jedoch, wenn man dabei zusieht, wie sein Verlobter in diesem großen Nichts außerhalb des Flugzeuges verschwindet.

Wie oft ich mir im Flugzeug überlegt habe, meinem Guide Jonny zu sagen, dass ich nicht springen möchte, kann ich gar nicht mehr zählen. Jonny hat mir aber gar nicht so viel Zeit gelassen, um weiter über sowas nachzudenken. Ehe ich es begreifen konnte, bin ich nämlich in Bananenposition, die wir vorher ganz oft besprochen haben, aus dem Flugzeug gehangen.

Und plötzlich war ich draußen! Einfach so! Um mich herum nur Luft. Und am Rücken mein Guide – hoffentlich mit Fallschirm. 😀

Der Vorteil am Fallschirmsprung ist ja, dass man sich auf seinen Guide verlassen kann. Wenn er mich nämlich umbringt, geht es für ihn normalerweise auch nicht gut aus.

Dennoch dachte ich während der ersten Sekunde im freien Fall, dass ich sterbe. Die restlichen 74 Sekunden habe ich dann begriffen, dass ich eh nicht sterbe und konnte den Wahnsinnsausblick genießen. Nur meine Zähne waren saukalt.

Aber im Flugzeug war mir auch schon kalt, also was soll’s. Solltest du auch mal aus einem Flugzeug springen wollen, hier ein kleiner Tipp: Du kannst ruhig ein bisschen mehr anziehen, denn da oben ist es echt saukalt! 😉 Ich hatte oben herum inklusive Jumpsuit vier Schichten an und mir war trotzdem kalt, obwohl ich sonst nicht so empfindlich bin.

Die Kälte war es aber definitiv wert…

Nach 75 Sekunden freiem Fall ist der Fallschirm aufgegangen – juhu! Jonny hat das Geschehnis mit den Worten „Welcome to my office!“ kommentiert, konnte aber mit meiner Frage „Okay, so where is the coffee?“ nichts anfangen, was mich darauf schließen lässt, dass der Mann noch nie in einem klassischen Büro gearbeitet hat. 😀

Kaum war der Fallschirm offen, konnte ich die lustige Plastikbrille runter geben und den Ausblick so richtig genießen. Keine Bananenposition mehr, einfach lustig im Gurt hängen.

Nach einer sanften Landung ging es mit dem Bus zurück zur Base, wo ich mein gratis Shirt und meine Fotos und Videos auf einem USB-Stick bekommen habe.

Das war er also, mein erster Fallschirmsprung! Fazit? Ur geil! Unfassbar!

Anfangs hatte ich Angst, dass es mir mit dem Druckausgleich wieder so mies geht wie beim Tauchen, aber die Furcht war unbegründet. Alles ist gut gelaufen und der Ausblick war so traumhaft schön. Von mir aus wäre ich gleich nochmal gesprungen oder wäre noch länger oben herumgeflogen. 😀

Ein Spiegel namens Lake Matheson.

So wach wie noch nie in meinem Leben trotz frühem Aufstehen – der Sprung war um 9 Uhr – ging es weiter zum Lake Matheson. Auf dem Rundweg, für den wir inklusive tausend Fotos zwei Stunden gebraucht haben, sieht man eine perfekte Spiegelung des Mount Cook und Mount Tasman. Je früher man dort ist, desto besser. Sobald nämlich ein bisschen Wind aufkommt, ist die Wasseroberfläche zu unruhig. Wir haben es noch gut erwischt.

Die Straße vom Lake Matheson noch ein bisschen weiter Richtung nirgendwo gibt es noch einen Aussichtspunkt, von dem aus man den Fox Gletscher in seiner vollen Pracht anschauen kann.

Nachdem wir genug Ausblick auf die Gletscher genossen haben, haben wir uns auf den Weg nach Wanaka gemacht.
Einen kleinen Zwischenstopp zum Füße vertreten gab es natürlich auch wieder – diesmal auf einem DOC-Campingplatz mit Seeblick. DOC steht für „Department Of Conservation“, das sich neben vielen anderen Dingen auch um staatlich regulierte Campingplätze kümmert, die meist sehr günstig und rudimentär sind. Meistens gibt es nur ein Klo, ab und zu auch eine kalte Dusche. Nachdem uns auf der Südinsel immer so kalt war, haben wir nie auf einem solchen Platz übernachtet – die heiße Dusche am Abend war uns zu wichtig. Für eine günstige Übernachtung sind diese Plätze aber prinzipiell super und einige sind an besonderen Aussichtspunkten gelegen. Andere sind genau neben dem Highway und haben nicht sehr einladend ausgeschaut. Wer aber nicht auf teuren Plätzen schalfen will, ist mit diesen Plätzen gut bedient – Wildcampen ist nämlich illegal. Nur Selfcontained Campervans können an manchen Plätzen kostenlos die Nacht verbringen. Selfcontained heißt aber, dass man eine Plakette braucht, die bestätigt, dass im Campervan eine Toilette und eine Dusche vorhanden sind. Das hatten wir beim besten Willen nicht. 😀

Wanaka?

Der Plan war es, in Wanaka zu übernachten und am nächsten Tag nach Queenstown zu fahren. Nachdem der einzige Campsite mit annähernd guten Bewertungen in der Campermate-App aber voll war, ging es ungeplanterweise früher nach Queenstown.

Der Weg von Wanaka nach Queentstown war für unser Auto relativ herausfordernd, weil es auf einem Teilstück der Strecke ziemlich bergauf und auf der anderen Seite des Berges überaus kurvenreich und steil berab geht. Das Autmatikauto auf Gangschaltung umstellen und schon geht es besser! Zwischendurch haben wir eine Ausblick-Genieß-Foto-Mach-Pause gemacht, die dem Auto auch gut getan hat.

Mit gut aufgewärmtem Auto sind wir am Queenstown Kiwi Holiday Park angekommen. Was wir in Queenstown und danach so erlebt haben, erfährst du aber ein anderes Mal. 🙂

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2 Replies to “Westcoast: Einfach mal aus einem Flugzeug springen…”

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