Am Weg in den Tongariro National Park haben wir ihn schon gesehen: Mount Doom! Richtig, der Vulkan, in den Frodo DEN Ring werfen soll. Schon aus der Ferne war nachvollziehbar, warum der Vulkan, der in Wahrheit Mount Ngauruhoe heißt, als Mount Doom ausgewählt wurde.

Am nächsten Tag sollten wir ihn dann von der Nähe aus betrachten können… Und zwar beim Tongariro Alpine Crossing!

Das Tongariro Alpine Crossing ist 19,4 Kilometer lang, auf denen man 900 Höhenmeter zurücklegt. Der höchste Punkt liegt auf 1886 Metern über dem Meeresspiegel. Die Gehzeit beträgt zwischen 6 und 8 Stunden.

Los ging es um sieben Uhr, als uns der Bus von unserem Campingplatz in Ohakune – wieder ein TOP 10 – abgeholt hat. Es ist nämlich so… Es handelt sich um ein Crossing! Das heißt, dass man woanders anfängt zu wandern als man wieder aufhört – eh logisch.
Das Parken am Startpunkt ist auf vier Stunden limitiert worden – mal abgesehen davon, dass der Parkplatz dort echt klein ist. Viele parken beim Endpunkt und nutzen einen Shuttleservice zum Anfangspunkt. Wir wollten lieber hin und zurück gebracht werden, was uns 50NZD pro Person gekostet hat.

Nachdem es früh los ging, mussten wir natürlich auch früh aufstehen. Den Rucksack haben wir schon am Vorabend gepackt, denn man braucht so einiges mit – unterwegs gibt es nur ein paar wenige Klos. Keine gemütliche Almhütte, keine Kaffeepause – nichts.

Eines muss einem klar sein, wenn man das Crossing machen möchte: „One does not simply walk into Mordor!“, wie Boromir schon so schön sagte, hat auch außerhalb von „Der Herr der Ringe“ seine Berechtigung.

Was er damit gemeint hat, haben wir später am Tag noch herausgefunden. Und auch die Warnhinweise, dass man das Crossing nur mit entsprechender Fitness machen sollte, ist für mich im Nachhinein betrachtet absolut nachvollziehbar.

Das Crossing hat einige Tücken. Das Wetter kann dort beispielsweise innerhalb von Minuten umschwingen. Deshalb ist der Weg oft gesperrt und es gibt Leute, die tagelang darauf warten, es machen zu dürfen. Wir hatten Glück und bei uns war es gleich am ersten Tag gut angesagt. Super! Die vier Tage davor war das Crossing gesperrt.

Unsere Packliste!
  • Sonnencreme
  • Sonnenkapperl
  • Regenjacke
  • Essen und Getränke für den ganzen Tag (2 Sandwiches mit Erdnussbutter und Marmelade pro Person, 2 Schokodrinks, 1 Packung Beef Jerkey, Schokocookies, Nüsse, 1,5l Wasser pro Person, 2 Müsliriegel pro Person)
  • Stirnband
  • Bandana
  • Erste Hilfe-Zeug
  • Klopapier

Handdesinfektionsmittel wäre noch super gewesen, haben wir aber leider im Auto vergessen.

meine Kleidung!
  • Wanderhose
  • Wanderschuhe
  • Wandersocken
  • Sport-BH
  • Trägerleiberl
  • Langes Active Wear-Leiberl
  • Regenjacke
  • Stirnband
  • Bandana

Obwohl ich mich zwischendurch ständig aus- und angezogen habe, war meine Kleidungswahl ziemlich gut. Zwiebellook yeah!

Los geht’s?

Als wir um sieben Uhr auf den Bus gewartet haben, war es echt kalt. Die Nacht davor haben wir zum ersten Mal unsere Schlafsäcke ausgepackt…
Unser Shuttle hat am Weg zum Mangatepopo Parkplatz – dem Startpunkt – noch einige andere Wanderer abgeholt. Das war ein bisschen unangenehm, weil wir somit erst um acht Uhr bei der Straße zum National Park waren. Dort angekommen, kam die Info, dass die Straße wegen eines großen Autounfalles auf unbestimmte Zeit gesperrt ist.

Wir standen vor der Wahl, das Crossing am Tag darauf zu machen – falls das Wetter passt – oder eine zweistündige Busfahrt auf uns zu nehmen, um auf einem anderen Weg zu Mangatepopo zu kommen. Nachdem wir von vielen gehört haben, dass sie so lange auf gutes Wetter warten mussten und das Wetter an diesem Tag perfekt war, haben wir uns für die Busfahrt entschieden. Der Bus war wohl ein Schulbus und definitiv nicht für lange Reisen gedacht. Die Beine und die Hintern taten uns schon weh, bevor wir überhaupt mit dem Wandern beginnen konnten.
Außerdem war es durch die Verspätung während der Wanderung viel wärmer als geplant, weil wir statt um 8 um 11 Uhr starten konnten und wir erst abends am anderen Parkplatz sein würden. Egal! Wir waren bereit.

Endlich angekommen, war erst mal ein riesen Stau am Klo. Kein Wunder nach der zweistündigen, holprigen Busfahrt. Wir gingen dennoch los, weil wir wussten, dass nach 20 Minuten wieder Klos kommen. Ansonsten hätten wir locker eine halbe Stunde gewartet. Und wir wollten einfach endlich losgehen!

Los geht’s!

Die ersten eineinhalb Stunden werden immer als total gemütlich und einfach beschrieben. Nach einer Stunde kommen aber schon die ersten Stiegen, was dann nicht mehr ganz so locker ist.

Nichts allerdings im Gegensatz zu dem, was folgt. 😉 An den Soda Springs vorbei beginnt der Aufstieg über Vulkangestein. Ungefähr eine Million Stiegen erwarten einen da. Oke, keine Ahnung, wie viele Stiegen es wirklich waren. Es waren aber jedenfalls viele. 😉 So kämpft man sich langsam an Mount Doom vorbei. Den kann man zwar auch besteigen, man sollte dafür aber etwa drei Stunden einplanen und sich damit abfinden, über nicht befestigtes Vulkangestein zu klettern.

Wir haben Mount Doom rechts liegen gelassen – sowohl konditionell als auch zeitlich wäre er nicht drin gewesen – und sind lieber weiter zum South Crater gegangen, der auf einer ebenen Fläche liegt, über die ich mich ziemlich gefreut habe. Keine Stiegen mehr!

Um den South Crater zu sehen, muss man kurz einen Abstecher nach rechts an den Rand machen. Ich hätte ihn übersehen, wenn Patrick mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Nachdem es an dieser Stelle windstill war, haben wir dort erst mal Mittagspause gemacht. Denn nach dem South Crater wird es wieder steil und stiegig. Yeah!

Der Aufstieg zum Red Crater – mit 1886 Metern der höchste Punkt des Crossings – ist schon recht anstrengend, aber zumindest nicht so lange wie der Aufstieg davor. Und der Ausblick ist einfach großartig!

Am Krater entlang geht es weiter Richtung Emerald Lakes. Die drei grün schimmernden Seen sind übrigens tapu, also heilig für die Maori. Darin schwimmen ist verboten. Das hat den Typen in Spidermanoutfit allerdings nicht davon abgehalten, rein zu gehen und Fotos machen zu lassen… Naja, die ganze Gruppe, mit der er unterwegs war, war schräg. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum der eine von ihnen das Crossing mit einem Plastiksackerl in der Hand gemacht hat. Ich sag’s nur…

Der Abstieg zu den Emerald Lakes war überraschend anstrengend. Im Reiseführer stand, dass es ab dem Red Crater weniger anstrengend wird. Was dort nicht erwähnt wird, ist, dass der Abstieg bei den Emerald Lakes nicht befestigt und somit eine ziemliche Erdrutschpartie ist. Ich glaube, dass es dort jede Person mindestens einmal hingehaut hat – Patrick und mich eingeschlossen. Für das Stück haben wir jedenfalls lang gebraucht, damit wir nicht einfach runterrollen und sterben. Spätestens da waren wir froh, Wanderschuhe an zu haben und nicht nur Sport- oder Trekkingschuhe. Aber auch davor waren die Wanderschuhe schon ungemein sinnvoll!

Anschließend wird es dann wirklich flacher mit ein paar Bergaufstückchen, die aber gut machbar sind. Dabei geht es vorbei am Blue Lake und weiteren Klos.
Dort kamen wir mit Emily und Matt ins Gespräch. Wir haben davor schon darüber gewitzelt, dass wir scheinbar das Crossing gemeinsam gehen. Wir haben einander andauernd gegenseitig überholt und waren nie mehr als 20 Meter von einander entfernt. So sind wir ins Gespräch gekommen – wie das am Berg halt so ist.
Matt, gebürtiger Neuseeländer, und Emily aus Großbritannien haben sich vor fünf Jahren kennengelernt, als Emily für ein Jahr nach Neuseeland kam, um hier zu arbeiten. Jetzt ziehen sie gemeinsam zurück nach Surrey (UK).
Wir haben sie ganz viel über das Leben in Neuseeland gefragt und uns ein paar tolle Reisetipps geholt. Matt wollte noch vor seinem Umzug alle Tourisachen in Neuseeland erleben, damit er mitreden kann, wenn die Leute ihn auf irgendwelche Dinge in Neuseeland ansprechen. Davor kannte er die ganzen Sachen nicht. So wie es halt oft ist… Das eigene Land bereisen die wenigsten so intensiv.
Nachdem die beiden aus Wellington kamen und das unser nächster Stop auf der Reise war, haben wir uns einige Lokaltipps geholt.

Anschließend haben wir gemeinsam darüber gemeckert, dass der Weg noch so lang ist. Nach den ganzen spannenden Eindrücken war der Abstieg nämlich vergleichsweise fad. Anfangs war es noch toll, weil man einen großartigen Blick auf Lake Taupo hat, doch irgendwann wird es fad.


Bei der Ketetahi Hut haben wir uns dann ein Ende erhofft – und wurden durch ein Schild mit der Aufschrift „6,5km“ enttäuscht. Nachdem wir spät mit dem Crossing beginnen mussten, hatten wir es ab diesem Zeitpunkt eilig, wieder runter zu kommen. Irgendwann wird es halt dunkel und da müssen wir nicht unbedingt noch am Berg herumstehen. Also sind wir flotter weitergegangen.
Irgendwann gelangt man in einen Wald, der zwar sehr schön war, den wir aber wenig genießen konnten, denn die letzten drei Kilometer kamen uns ewig vor. Wirklich ewig. Wir haben uns ein wenig gestresst, um den Bus zu erwischen, was im Endeffekt egal war, weil wir dann noch eine Stunde lang auf die langsamste Gruppe warten mussten – das wussten wir zu dem Zeitpunkt aber nicht. Nachdem man sich am Anfang in eine Liste eintragen muss, wird genau darauf geachtet, dass auch alle wieder vom Berg runter kommen und niemand verloren geht.

Nach sieben Stunden kamen wir um unfassbar schöne Eindrücke, schwere Beine und tausende Fotos reicher unten an. Die Wanderschuhe haben wir zwar vorher schon ein paar Mal kurz getragen, so richtig eingeweiht haben wir sie aber am Berg. Ich hatte keine Blasen, Patrick eine – die war dafür riesigst!

Alles in allem muss einem beim Crossing bewusst sein, dass es schon hoch hinaus geht und man sollte es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Nicht umsonst gibt es Warnhinweise und wurde dem Namen das Wort „Alpine“ vor ein paar Jahren hinzugefügt. Mit ein bisschen Fitness ist es aber gut machbar und die Strapazen ist es auf jeden Fall wert!
Außerdem ist das Crossing ziemlich beliebt und man ist nie wirklich ganz alleine.

Bei unserem Aufenthalt im Tongariro National Park haben wir übrigens das erste Mal zwei Nächte am selben Campingplatz verbracht. Und das ist absolut emfpehlenswert!

Nach dem Crossing noch Auto fahren ist echt zach, besonders in unserem Fall, weil wir erst so spät anfangen konnten.

Wie schon erwähnt ging es danach weiter nach Wellington! Dazu aber im nächsten Post mehr. 🙂

 

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