Ein Thema ist in meiner Arbeit als Sexualpädagogin immer präsent: Verhütung! In den Workshops in Schulklassen geht es sehr oft um die Frage, wie man Geschlechtsverkehr haben kann, ohne schwanger zu werden.

Die Frage lässt sich oberflächlich betrachtet ja recht leicht beantworten. Einfach ein Verhütungsmittel verwenden. Aber welches? Tja, da wird es dann schon schwieriger… Immerhin gibt es viele verschiedene Möglichkeiten und dabei gilt es, die für sich richtige Methode zu finden.
Da mich im Moment das Thema Reisen besonders beschäftigt und man während längeren Trips so einiges bedenken muss, wenn es um Verhütung geht, möchte ich in den kommenden Wochen näher auf die verschiedenen Verhütungsmethoden eingehen und Tipps und wichtige Aspekte für die Reise thematisieren.

Wie das mit dem weiblichen Zyklus, der Menstruation und der Befruchtung abläuft, habe ich hier bereits beschrieben. Nachgelesen? Super!

In den Sexualpädagogikworkshops kommt nach der Erklärung des Zyklus sehr oft folgende Frage:

Wenn eine Eizelle eh nur einen Tag lang auf eine Samenzelle wartet und die Samenzellen bis zu sechs Tage im weiblichen Körper überleben kann, würde es doch reichen, in dieser einen Woche keinen Geschlechtsverkehr zu haben oder ein Kondom zu verwenden, richtig?

Im Prinzip ja, allerdings weiß eine Frau nie so genau, wann der Eisprung ist. Er kann nur vom ersten Tag der nächsten Blutung zurück berechnet werden. Der Uterus schickt keine Nachricht mit „Hey, heut ist Eisprungzeit, also Vorsicht!“ – wäre dann womöglich eh zu spät, wenn die Spermien schon drin sind…
Frauen mit einem sehr regelmäßigen Zyklus können es sich zwar ungefähr ausrechnen, der Zyklus ist aber sehr von den Lebensumständen abhängig. In einem stressigen Monat, bei Krankheit, falscher Ernährung, zu viel Sport, Reisen und Zeitverschiebung etc. kann der Zyklus auch mal unregelmäßig und der Eisprung nicht zum erwarteten Zeitpunkt sein. Wer also sicher sein möchte, sollte auf ein Verhütungsmittel zurückgreifen.

Natürliche Familienplanung ist zwar eine Methode, bei der mittels diverser Messungen der Eisprung errechnet wird, doch diese Methode ist sehr aufwändig und erfordert die Bereitschaft, sich genau mit dem eigenen Zyklus auseinander zu setzen. Außerdem wird sie nicht empfohlen, wenn Frauen viel reisen. Da ich auf diesem Gebiet keine Expertin bin, werde ich mich hier nicht näher mit NFP befassen. Weitere Infos findest du aber hier.

Wie man das richtige Verhütungsmittel für sich findet.

Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, wird mit Hilfe des Pearl Index angegeben. Der Index zeigt, wie viele Frauen von insgesamt 100 Frauen, die das Verhütungsmittel für ein Jahr angewendet haben, trotzdem schwanger geworden sind. What? Also… Liegt der Wert bei 1, ist eine von 100 Frauen schwanger geworden. Oder anders gesagt: 99% der Anwender_innen wurden mit Hilfe des Verhütungsmittels nicht schwanger.

Je niedriger der Wert des Pearl Index ist, desto sicherer ist die Methode. Das ist allerdings nur der offizielle Wert, der einem hilft, ein Verhütungsmittel einzuschätzen.

Viel wichtiger bei der Auswahl der individuell richtigen Methode ist es, zu überlegen, was zu einem selbst am besten passt.

Überlegungen für die Wahl eines Verhütungsmittels.

  • Wie häufig habe ich sexuelle Kontakte? Je nachdem kann zwischen situativ anwendbaren, also kurzfristigen, und situationsunabhängigen, also längerfristigen Methoden gewählt werden.
  • In welcher Weise sind meine sexuellen Kontakte? Sex besteht ja bekanntlich aus mehr als „nur“ Geschlechtsverkehr.
  • Welche Verhütungsmethode ist für meinen Körper passend – und welche nicht? Thromboserisiko, starke Blutung etc. können die Wahl des Verhütungsmittels beeinflussen. Diese möglichen Einschränkungen werden mit Gynäkolog_innen besprochen.
  • Welche Methode kann ich mir finanziell leisten? Manche Verhütungsmittel erfordern einen hohen einmaligen Kostenaufwand, andere sind monatlich bezahlbar.
  • Welche Anwendungsart erscheint mir zu meinem Lebensstil passend? Täglich, wöchentlich oder monatlich an Verhütung denken, jahrelang nicht daran denken etc.

Wenn einmal ein Verhütungsmittel gefunden wurde, sollte man sich immer wieder überlegen, ob sich obige Faktoren verändert haben und die gewählte Methode noch passend ist. Das Beziehungsverhalten, der Körper und der Lebensstil sind nicht immer gleich, weshalb das Verhütungsmittel den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden muss.

Die meisten Verhütungsmittel werden in Österreich von Frauenärzt_innen verschrieben oder eingesetzt. Eine ärztliche Abklärung ist somit immer wichtig!

Einteilung der Verhütungsmittel.

Nicht-hormonelle Verhütungsmittel.
  • Kondom/Femidom
  • Kupferspirale/-kette/-ball
  • Goldkette/-spirale
  • Diaphragma*
  • Verhütungszäpfchen*
Hormonelle Verhütungsmittel
  • Pille
  • Verhütungsring
  • Hormonpflaster
  • Hormonspirale
  • Dreimonatsspritze
  • Implantat

Ich hoffe, du hast jetzt einen guten Überblick über die Basics der Verhütung bekommen. Im nächsten Post wird es um die nicht-hormonellen Verhütungsmittel gehen. Also schau wieder vorbei!

 

*Aus meiner Sicht sind das Diaphragma und das Verhütungszäpfchen durch neuere Verhütungsmittel abgelöst worden und werden kaum noch angewendet. Deshalb werde ich mich hier damit nicht näher beschäftigen. Solltest du dennoch Fragen dazu haben, kannst du dich gerne per E-Mail an mich wenden.

Related Post

One Reply to “Verhütung auf Reisen: So findest du das richtige Verhütungsmittel!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: