Wenn du meinen Blog regelmäßig liest, weißt du vermutlich, dass ich diesen ganzen Geschlechterrollenklischees kritisch gegenüber stehe. Wenn du es verpasst hat, darfst du gerne hier, hier und hier nachlesen.

Leute, die mich besser kennen, würden mich vermutlich als Emanze/Feministin bezeichnen. Und das passt auch so. Ich mein, die ganzen Gendergaps überall in meinen Posts sind ja schon ein ganz guter Hinweis*. 😉

Außerdem bin ich auch eine dieser Frauen, die gerne an der Stange tanzen. Oder wie wir es liebevoll sagen: Ich bin ein Polegirl. 😉

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Ich hab schon oft gehört, dass das doch überhaupt nicht zusammen passt. Einerseits gegen Stereotypisierungen ankämpfen und sich andererseits halbnackt an einer Stange räkeln…
Ich bin davon überzeugt, dass das eine das andere nicht ausschließt. Um genau zu sein finde ich, dass das sogar sehr gut zusammen passt. Denn worum geht es kurz gesagt bei Emanzipation? Darum, das machen zu können, worauf man Lust hat (solange man die Freiheit einer anderen Person damit nicht einschränkt, eh klar) – unabhängig davon, was einem gesellschaftliche Normen und das Umfeld einreden wollen. Jede_r soll selbst über sein_ihr Leben bestimmen können und diese Freiheit darf auch nicht von Richtlinien, Gesetzen etc. beschränkt werden.

Deshalb steht es für mich auch nicht im Widerspruch, wenn eine Frau auf Demos für Gleichberechtigung eintritt und dann zu Hause gerne Kekse und Torten bäckt. Oder ein Mann, der total gerne an Autos rumschraubt, aber für faire Löhne und Gehälter ist. Genauso kann ich in meinem Blog Beispiele für blöde Klischees bringen und dann mit kurzem Höschen und Sport-BH an der Stange tanzen. Weil ich es will und es die anderen nichts angeht.

Mal abgesehen davon, dass wir nicht nackt Sport betreiben, wie viele denken. Im ersten Kurs haben wir sogar recht viel an. Erst nach ein paar Einheiten kommt mal die kurze Hose zum Einsatz und irgendwann später kommt das Shirt weg. Und zwar nicht, weil wir damit gerne Geld verdienen möchten, sondern aus sportlicher Sicht. Je mehr Haut, desto besser klebt man an der Stange. Nur so funktionieren die Tricks dann wirklich gut. Mit zu viel Stoff rutscht man ab einem gewissen Level von der Stange.

Ich habe vor fast zwei Jahren meinen ersten Kurs gemacht und mich sofort in diesen Sport verliebt. Poledance ist eine von wenigen Sportarten, bei der ich zwischendurch auf die Uhr schaue und traurig bin, dass die Stunde bald aus ist. Es macht riesen Spaß, man sieht deutlich die eigenen Fortschritte und es ist ein unfassbar gutes Workout für den ganzen Körper. Das weiß ich, weil ich oft genug nachher einen Ganzkörpermuskelkater hatte. 😉 Bei mir hatte Poledance auch großen Einfluss auf mein Selbstwertgefühl. Anfangs war es mir noch unangenehm, das Shirt im Studio auszuziehen. Jetzt ist es vollkommen normal und ich ziehe meine kurzen Poledancehosen auch zu anderen Sportarten an. Außer zum Laufen, weil es mir dann die Oberschenkelinnenseite aufreibt. 😀

Poledance tut allerdings auch weh, das muss einem bewusst sein. Auch wenn ich von vielen Polegirls, die schon lange an der Pole trainieren, immer wieder höre, dass es irgendwann nicht mehr weh tut, glaube ich ihnen das nicht so ganz. 😀
Spätestens, wenn man kopfüber von der Stange hängt, braucht man auch Mut. Die fehlt mir immer wieder, aber es wird besser. Außerdem sichern wir Polegirls uns dann gegenseitig und fangen einander auf, falls wir abstürzen. 😉
Und Poledance ist nicht grad die günstigste Sportart…

Das Kursangebot ist sehr umfangreich. In den normalen Levelkursen lernt man die Spins und Tricks. In den Choregraphiekursen  kann man das Gelernte üben und schöne Tanzabfolgen lernen. Manche Kurse sind mit Pleasern, also superhohen Schuhen. Die sind nichts für mich, weil ich Pleaser nicht so ästhetisch finde. Dafür gehe ich bald zu einem Kurs, bei dem ich mit Converse tanzen kann. 😀

Was ich am Poledance besonders schätze, ist die Community. Ich habe einmal in unserer Facebookgruppe nach Tipps für den Invert (also kopfüber an die Stange gehen) gefragt und sofort von mehreren mir bis dahin unbekannten Polegirls Ratschläge und das Angebot, gemeinsam zu trainieren, bekommen. Bei den Kursen helfen wir einander bei Tricks, die noch nicht so gut funktionieren – und sei es, indem wir die andere am Hintern packen und an der Stange hochschieben. 😀

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Nach einer Poledance-Einheit tut mir zwar alles weh und ich habe oft blaue Flecken an Stellen, an denen sie schon sehr nach einem Übergriff ausschauen, aber daran gewöhnt man sich.** Was für mich zählt, ist das Gefühl während und nach dem Training – und das ist schlichtweg wunderbar.

 

*Es tut mir nicht weh, ihn zu setzen, und ich lasse die Ausrede mit der Leserlichkeit schlichtweg nicht mehr durchgehen nach all den Jahren. 😉

**Wie oft ich schon während ich einen Bikini an hatte erwähnt habe, dass ich Poledance mache, um zu verdeutlichen, dass ich mir die Verletzungen selbst zugefügt habe, kann ich nicht mehr sagen… 😉

 

 

2 Replies to “Polelove: Wieso du Poledance ausprobieren solltest!”

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