Ich habe zwei Fragen an dich:

  1. Wie würdest du deinen Körper beschreiben?
  2. Was hältst du allgemein von deinem Körper?

Die Antworten sind nur für dich.

Die meisten Menschen beantworten die beiden Fragen, indem sie sich auf das vermeintlich Negative an ihrem Körper konzentrieren. Viele Menschen mögen ihren eigenen Körper nicht, oder hassen ihn sogar. Ich war lange eine dieser Personen, die ihren Körper gehasst haben und erwische mich auch jetzt noch dabei, ihn anhand seiner „Mängel“ zu beschreiben.

Neulich habe ich einen Film genau zu diesem Thema gesehen, den ich dir empfehlen möchte – egal, ob du deinen Körper liebst oder nicht: „Embrace – Du bist schön“

„Embrace“ ist ein australischer Dokumentarfilm der dreifachen Mutter Taryn Brumfitt. Sie erzählt darin über sich, ihren Körper und ihre eigene Körperwahrnehmung. Als Mädchen und junge Erwachsene versuchte sie immer wieder, ihren Körper durch Diäten zu optimieren. Nach der Geburt ihres ersten Kindes fand sie ihren Körper hässlich und empfand ihn als fremd. Nach weiteren zwei Kindern wurde die Abneigung ihrem Körper gegenüber nicht besser.

Also entschied sie, sich ihren Traumkörper zu erschaffen. Sie trainierte 15 Wochen täglich um fünf Uhr früh im Fitnessstudio und hielt Diät. Als sie ihren Traumkörper endlich hatte, nahm sie an einem Schönheitswettbewerb teil. Dort stellte sie fest, dass auch die Teilnehmerinnen dort über ihren Körper meckerten und sich der Aufwand, den sie betrieb, um ihren Traumkörper zu haben, für sie nicht gelohnt hatte.

Taryn beschloss, dass sie so sein wollte, wie sie war. Gesunde Ernährung sollte für sie wieder zum Genuss werden und ihrem Körper Kraft geben, statt sich mit Diäten selbst zu bestrafen. Es sollte für sie auch in Ordnung sein, einen selbstgebackenen Keks ihres Kindes zu essen, wenn sie darauf Lust hat. Sie machte nur mehr Sport, der ihr Spaß machte, statt andauernd die verbrannten Kalorien zu zählen.

Sie postete ein Vorher-Nachher-Foto von sich auf Facebook, das viral ging. Vielleicht hast du es ja gesehen. Mir ist es mehrmals untergekommen. Darauf sieht man sie bei besagtem Wettbewerb und nachdem sie sich dazu entschloss, ihr Leben und ihren Körper zu lieben, wie er ist. Neben den klassischen Bodyshaming-Idioten, die es leider zu oft gibt, erhielt sie Unmengen an Nachrichten von Menschen, die ihr erzählten, wie sehr sie ihren Körper hassten.

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Taryn wollte der Frage, warum so viele Menschen ihren Körper nicht mögen, auf den Grund gehen, und entschied, um die Welt zu reisen und inspirierende Frauen vor die Kamera zu holen und deren Geschichten und Ansichten zu diesem Thema eine Plattform zu bieten. Von der Herausgeberin der Australischen Cosmopolitan, einer Frau mit Verbrennungen am ganzen Körper, einer Frau, der aufgrund einer Erkrankung ein Bart wächst, einem sogenannten „Plus Size“-Model bis hin zur deutschen Schauspielerin Nora Tschirner erzählten diese Frauen, wie es ihnen mit ihrem eigenen Körper und gesellschaftlichen Zwängen geht. All diese Frauen empfand ich als unfassbar inspirierend und stark. Deshalb möchte ich dir diesen Film empfehlen.

Ich finde es traurig, dass es so viele Frauen, aber auch Männer, gibt, die ihren Körper hassen. Nachdem es mir jahrelang auch so ging und ich mich auch heute immer wieder in diesen alten Mustern, perfekt aussehen zu müssen, wieder finde und unzufrieden mit meinem Körper bin, kann ich es verstehen. Immerhin habe ich mich am Anfang des Films dabei ertappt, mich zu fragen, ob ich eh schlanker bin als Taryn…

Dennoch ist es alarmierend, dass 70% der Mädchen mit ihrem Körper unzufrieden sind, man mit Konfektionsgröße 38 und mehr im Modelbusiness als Plus Size gilt, obwohl das die gängigsten Größen sind, 45% aller „normalgewichtigen“ Frauen denken, sie seien übergewichtig, es ProAnorexia-Seiten mit Tipps zu Bulimie und Magersucht gibt und so weiter.

Es ist doch so, dass dick/fett mit ungesund gleichgesetzt wird und dünn als gesund gilt. Taryn hat in diversen Hasspostings zu hören bekommen, sie sei fett und somit ungesund und sie solle Sport machen. Fun Fact: Taryn läuft Marathons. Das macht man nicht, wenn man – so weitere Hasspostings – „aus Faulheit fett“ ist. Denn es ist der Lebensstil und nicht der BMI oder die Zahl auf der Waage, die über gesund oder ungesund entscheiden. Dünne Mädels, die jeden Tag Unmengen an Alkohol trinken, sind sicher nicht gesünder als jemand mit mehr Speck auf den Hüften, der gerne Sport macht. Eh klar, oder?

In ihrem Film geht Taryn näher darauf ein, woher diese verzerrten Körperideale kommen. Fazit: Es ist kein Wunder, dass so viele Menschen sich für unzulänglich halten, wenn man ständig mit dem vermeintlich perfekten Körper konfrontiert wird. Überall hängen Bilder von Frauen und Männern, die mit Photoshop bearbeitet wurden. Viele Medien sind übersät von Diättipps. Kinder bekommen ein Lob für ihr Aussehen statt für ihre Persönlichkeit und ihre Taten. Mütter sitzen am Esstisch und weinen wegen einer zu hohen Zahl auf der Waage. Es ist wirklich schwer, Kinder von diesen Einflüssen fern zu halten. Eine befragte Mutter sagte im Film, sie mache den ganzen Tag nichts anderes als Schadensbegrenzung.

Aber natürlich können wir das Problem nicht von heute auf morgen lösen. Was wir aber alle tun können, ist unseren eigenen Blick auf unseren Körper immer und immer wieder zu reflektieren. Wir alle sollten uns selbst schön finden! Und wenn wir es noch nicht tun, dann sollten wir es uns so lange vorsagen, bis wir es auch so empfinden. So lässt sich das Gehirn wunderbar austricksen. 😉 Denn: „Je mehr man sich selbst mag, desto mehr mögen einen die anderen.“ Und sind wir uns mal ehrlich: Sein Leben lang den medialen Idealen nachzueifern, die nicht mal die ganzen Models aus der Werbung erreichen, weil sie ja mit Photoshop bearbeitet werden, ist doch superanstrengend, oder? Wie die Schauspielerin Nora Tschirner im Film sagte: „Dein Körper ist dein Zuhause, dein Freund.“

Meine einzige „Kritik“ an „Embrace“ ist, dass Taryn immer wieder davon spricht, ihrer Tochter ein gutes Vorbild sein zu wollen. Deshalb entschied sie sich beispielsweise gegen eine Schönheitsoperation. Ich denke aber, wir sollten dabei niemals auf die Vorbildfunktion Burschen gegenüber vergessen. Ja, es ist ungemein wichtig, Mädchen zu zeigen, dass sie mehr sind als ein hübscher Körper und dass sie toll sind, wie sie sind. Dasselbe gilt aber auch für Burschen und ihre Körperwahrnehmung! Ich mein, wie viele Männer sind schon als stählerne Unterwäschemodels tätig? Und natürlich muss man auch Burschen zeigen, dass das Frauenbild in den Medien nicht real ist, sonst wird es für sie schwer, reale Frauen von diesen falschen Bildern zu unterscheiden.

Hier also noch eine kleine Weisheit zum Start der Woche: Lasst uns alle mit unseren Körpern freundschaftlicher und wertschätzender umgehen. Wir haben ja nur einen und der ist perfekt, wie er ist!

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7 Replies to “Filmempfehlung: Embrace!”

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