Ich mache ja mehrere Sportarten, wie du vielleicht schon mitbekommen hast. So kommt es, dass ich neben Laufen und Kraftsport auch immer wieder auf Stangen klettere und mich drumherum drehe. Richtig, ich spreche von Poledance! Heute soll es aber nicht um die Sportart an sich gehen – darauf gehe ich hier näher ein.

In der Woche nach dem Halbmarathon war ich bei einer Schnupperstunde beim Poledance. Ich habe in einem Studio in Wien bereits Level 3 abgeschlossen und wollte in einem anderen Studio schauen, wie das bei denen so abläuft. Nicht, weil ich mit meinem Studio unzufrieden bin, sondern weil es sich bei mir zeitlich teilweise schwer ausgeht, einen Kurs dort zu buchen. Daher wollte ich das Studio ums Eck von meinem Arbeitsplatz testen.

Nach vormaligem Mailkontakt ging ich also zur letzten Stunde Level 3 in eben jenem Studio. Ich wurde freundlich begrüßt und mir wurde gezeigt, wo ich mich umziehen kann. So war das Studio zwar kleiner als gewohnt, aber sehr nett eingerichtet. Im Kursraum dann war ich zwar kurz schockiert, weil die Stangendicke eine andere war als ich gewohnt war, aber gut, das ist halt überall anders. Um es im Laufjargon auszudrücken: Der Umstieg von Beton auf Waldboden ist zwar machbar, aber gewöhnungsbedürftig.

Bevor die Trainerin herein kam, quatschten die Frauen darüber, wie es beim Training läuft. So weit, so gut. Als es dann darum ging, dass eine Kursteilnehmerin zu Hause Probleme beim Montieren ihrer neuen Pole hatte, kam von den anderen Teilnehmerinnen nur die Frage, ob sie keinen g’scheiten Mann daheim hat, der ihr das montieren kann. Die kleine „Emanze“ in mir biss sich auf die Zunge, um nicht sowas wie „Hast gebrochene Hände, oder was?“ von sich zu geben. Solltest du dich jetzt fragen, wie man sich  gleichzeitig als „Emanze“ bezeichnen und Poledance machen kann, musst du leider noch etwas geduldig sein und auf den Blogpost über Poledance warten. 😉

Na gut. Dann kam die Trainerin, die prinzipiell nett, aber ganz anders als meine bisherigen Trainerinnen war. In meinen bisherigen Kursen wurde darüber gelacht, wenn jemand an der Stange ächzte oder auch mal ordentliche Tourette-Anfälle hatte. Poledance kann nämlich ziemlich weh tun, was die blauen Flecke, die ich nachher oft habe, beweisen. Diese Trainerin stellte beim ersten Ächzer klar, dass sie sowas nicht hören will und untermauerte dies mit „Sonst pack ich die Peitsche aus. Ihr kennt ja 50 Shades Of Grey. Die Ideen hat der Typ von mir.“ klar. Die anderen Teilnehmerinnen lachten, ich schluckte.

Dann ging es ums sogenannte Inverten, also kopfüber von der Stange hängen, wie man es beispielhaft am Beitragsbild sieht. Inverten hat nicht nur etwas mit Kraft, sondern mit Mut zu tun. Anfangs hat man Angst, dabei zu sterben. Mittlerweile weiß ich, dass das doch etwas dramatisch ausgedrückt ist. Dennoch ist es immer wieder eine Überwindung. Als die Trainerin dann meinte, sie will niemanden beim Schwung holen erwischen, entkam mir ein verzweifeltes „Ich kann das aber nicht ohne Schwung holen!“. Sie grinste daraufhin und meinte: „Das war das erste.“. Weitere Erklärungen kamen dann nicht. Sie zeigte mir zwar, wie das gehen soll, aber ohne Hilfe hab ich es die ganze Stunde nicht hinbekommen. Die Hilfe sieht hier übrigens so aus, dass die Trainerin deinen Hintern packt und dich hochschiebt. 😀

Alle anderen Moves hab ich besser hinbekommen als die anderen. Nur eben das eine nicht… Natürlich probierte ich es immer weiter und dabei entfleuchte mir wieder ein “Ich kann das so nicht!”. Noch immer wusste ich nicht, was das für Konsequenzen haben würde. Ein weiteres frustriertes “Ich kann das nicht!” später kam dann die Antwort: Strafliegestütz. Für die gesamte Gruppe. Peinlich genug, wenn man als einzige sonst nie dort im Kurs ist. Noch peinlicher, wenn man dann selbst nicht mal Liegestütze kann. Also haben alle Strafliegestütze gemacht, während ich die Frauenliegestützvariante gemacht habe. Yay!

Was ich während dieser Stunde gelernt habe? Inverten ohne Schwung war es leider nicht… Dafür habe ich hautnah erfahren, dass Trainer_innen nunmal unterschiedliche Methoden und Philosophien haben, um ihre Teilnehmer_innen zu motivieren. Meine Personal Trainerin Dani bevorzugt Komplimente und Zuspruch. Meine bisherigen Poledancetrainerinnen ermutigten mich und waren begeistert, wenn etwas gut geklappt hat. Jetzt kenne ich auch die Peitschenvariante mit Bestrafung als Motivation. Wieder etwas gelernt. Und zwar auch über mich: Ich bevorzuge die freundliche Variante. Mein trotziges Gemüt kann mit Strafandrohungen nämlich nicht so gut umgehen und schaltet auf Widerstand. Das ist dann eher kontraproduktiv… Es gibt aber sicher genug Menschen, die das so wollen und brauchen. Ich gehöre eben nicht dazu. 🙂

 

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