Die berühmte Gretchen-Frage… Oder anders ausgedrückt: Wie kam es dazu, dass ich überhaupt Sport mache?

Also… Es gibt ja so Leute, die haben schon als Kind total viel Sport gemacht. Judo hier, Geräteturnen da, Fußball dort. Oder so. Ich gehöre da eindeutig nicht dazu. Meine schulfreie Zeit verbrachte ich gerne vor dem Fernseher. Beim Serientheme-Raten bin ich absolut super! Nur bei den Pfadfindern, bei meiner Oma im Waldviertel und bei Rad- und Schiausflügen mit der Familie habe ich mich bewegt. Aber auch so wenig wie nur irgendwie möglich.

In der Volksschule spielten wir fast ausschließlich Völkerball. Ich war meistens als erste abgeschossen und hätte mich beim besten Willen nicht wieder ins Feld befördern können, indem ich zuerst einmal einen Ball fange und dann auch noch jemanden abschieße damit. Meine Reflexe haben eher dazu geführt, dass ich nur panisch die Hände vors Gesicht gehalten habe, statt diese runde Granate zu fangen. Schaut blöd aus, aber immerhin hab ich mir noch nie die Nase gebrochen!

Meine Mutter versuchte es mal, mich zu mehr Bewegung zu verleiten und schickte mich zum Geräteturnen. Ich hab allerdings wirklich wenig Erinnerung daran… War wohl nicht so super, oder? Wirklich keine Ahnung mehr.

Auch im Gymnasium wurde es nicht besser. Ich wage zu behaupten, dass es eher schlechter wurde. Heute wunder ich mich, dass ich nicht rückwärts gegangen bin, so langsam und träge wie ich war.

Dazu eine Frage: Schon mal probiert, Jugendliche zum Sport zu motivieren? Oder zu irgendetwas anderem? Mache ich immer wieder mal in der Arbeit. Ich bin ja im Sozialbereich tätig und arbeite viel mit Jugendlichen, die nicht immer besonders motiviert sind. In verschiedenen Bereichen – nicht nur im Sport – und aus diversen Gründen, auf die ich gerne mal näher eingehen kann – aber nicht jetzt. Jedenfalls weiß ich wirklich, wie schwer es sein kann, Jugendliche zu etwas zu motivieren. Aber ich wage auch zu behaupten, dass ich weiß, wie man es versuchen kann. Oder zumindest, wie man es wirklich wirklich nicht tun sollte!

Im Gymnasium hatte ich eine Turnlehrerin, die das offenbar nicht wusste. Oder der es egal war. Keine Ahnung. Sie war selbst recht fest und wirkte nicht besonders sportlich. Ich fand es ärgerlich, Anweisungen von einer Person zu befolgen, die selbst keine einzige Übung vorzeigen konnte. Turnlehrer_innen müssen wirklich nicht alles können, aber zumindest ein bisschen was sollten sie drauf haben. Gut, das hat sich mit den sehr strengen Aufnahmetests für Sportlehrer_innen auf der Uni Wien vermutlich geändert. Aber das betrifft ja wieder nur eine bestimmte Lehrer_innengruppe… Wirklich schade. Hier könnte man so viel positiven Einfluss nehmen und präventiv jede Menge bewirken. Aber auch dazu später gerne mehr.

Ich habe kürzlich eine dieser neuen Generation Sportlehrer_innen getroffen. Eine junge Frau, die gerade dabei ist, das Lehramtsstudium für Sport abzuschließen. S. ist eine super trainierte Frau, der du sofort, wenn sie den Raum betritt, anmerkst, dass sie Sport macht. Und zwar gerne. Sie liebt es. Sobald man mit ihr redet, erfährt man, wie viele verschiedene Sportarten sie macht, ohne dabei überheblich zu wirken oder dich zu belächeln, wenn du selbst nicht so viel machst. Sie hat mir dann mal erzählt, was ihre Ambitionen als Sportlehrerin sind. Eine Ansprechperson für ihre Schüler_innen sein, ihnen sportliche Begeisterung näher zu bringen und sie zu ermutigen, viel auszuprobieren und den eigenen Körper zu achten. Wunderbar! Ich bin jedes Mal so neidisch, dass ich nicht so eine Turnlehrerin hatte damals. Ich freue mich wirklich sehr, dass es solche Lehrer_innen gibt, denn das ist unfassbar wichtig.

Naja, jedenfalls hatte ich keine solche Sportlehrerin. Meine gab mir durchgehend das Gefühl, dass ich einfach schlecht bin. Sie gab Sätze von sich wie „Deine Arme sind wie aus Butter.“ oder „Wieso kannst du das nicht? Alle anderen schaffen das ja auch.“ oder „Stell dich nicht so an.“. Was folgte war vorprogrammiert: Trotz, gefolgt von einem 3er in Turnen. Mal abgesehen davon, dass ich immer als Letzte in jedes Team gewählt wurde… Supermotivierend.

Ach ja, und weil es hier ums Laufen geht: Laufen gab es als qualvolle Aufwärmmethode im Turnsaal. Echt fad, einfach im Kreis herumzulaufen. Ab und zu sind wir auch im Hof im Kreis gelaufen, während die halbe Schule dich ausgelacht hat. Yay!

Aber dann kam die Oberstufe! Eine HLW. Manche kennen das vielleicht als Knödelakademie, obwohl das für meinen Schulzweig schon weit hergeholt wäre… Knödel koch ich nur in der Tiefkühlvariante. Und jetzt zurück zum Sport…

Ich hatte in der Oberstufe zwar plötzlich eine echt motivierte Turnlehrerin (Kam ziemlich überraschend, ehrlich gesagt…), aber meine anerlernte Faulheit reichte mittlerweile in jede Faser meines Körpers.

Meine Lehrerin probierte wirklich alles mögliche mit uns aus: Hockey, diverse Ballspiele mit Bällen in unterschiedlichen Größen (Schon mal Abschießen mit Sitzball probiert? Ziemlich gefährlich, aber spaßig.), Aerobic und Step-Aerobic mit sehr lustiger musikalischer Untermalung, Walken, Geräteturnen etc. Letzteres fand ich sogar endlich mal ganz lustig, aber nachdem es in meiner tollpatschigen Klasse sehr oft zu Verletzungen kam, haben wir es dann sein lassen. Das ausschlaggebende Ereignis war ein Unfall, wo sich eine Kollegin den Hals am Kasten anhaute, nachdem sie vom Trampolin aus ÜBER den Kasten springen wollte. Keine Ahnung, was da abgelaufen ist… Der Eisbeutelverschleiß wäre jedenfalls für die Schule nicht mehr finanzierbar gewesen.

Trotz vieler dubioser Unfälle im Turnunterricht gab meine Sportlehrerin nicht auf. Im Nachhinein bewundere ich sie für ihre Motivation! Sie versuchte echt alles, doch das gemeinsame Klassenziel war es, bloß nicht zu schwitzen! Wir hatten nach der einen Turnstunde (Doppelstunden gab es keine…) keine Zeit und offenbar zu wenig Ekel, um zu duschen und saßen somit den restlichen Tag stinkend in der Klasse. Denn ja, Frauen können stinken. Und wie! Auch wenn manche anderes behaupten.

Auch in der Oberstufe gingen wir sowas wie Laufen. Durch die Weinberge. Ich hab es aber nie geschätzt oder gar genossen. Eigentlich bin ich immer nur gelaufen, wenn wir bei unserer Lehrerin vorbei gelaufen sind oder sie in der Nähe selbst lief. Walken waren wir auch in den Weinbergen. Wobei ich mittlerweile weiß, dass man die Stecken nicht einfach hinter sich her schleift, sondern ruhig auch verwenden darf.

Und so verließ ich die Schule Richtung Studium. Aus den zwei Turnstunden pro Woche wurden nahezu null Stunden. Alle paar Wochen raffte ich mich auf und ging laufen. Aber nur aus schlechtem Gewissen. Die Distanz kann im Nachhinein betrachtet nicht mehr als 3km gewesen sein. Ich wurde oft von Schnecken, Pensionist_innen und Mäuschen überholt. Aber he, immerhin war ich unterwegs!
Meine Freundin C. und ich wollten mal gemeinsam laufen gehen, damit wir uns gegenseitig motivieren. Wir haben es genau einmal geschafft. Sie war viel schneller als ich…

Erst als ich aufgrund meiner Schilddrüsenunterfunktion innerhalb kürzester Zeit 10kg zunahm, entschied ich, dass ich etwas ändern musste. Also begann ich 2013 mit dem Laufen. Des Abnehmens willen halt…
Ein, maximal zweimal pro Woche lief ich – mehr oder weniger. Anfangs war es eher laufen – gehen – laufen – gehen – etc. Aber viele Leute fangen ja so an. =)
Einmal die Woche ging ich noch ins Fitnessstudio. Die Anmeldung dort war eine große Überwindung, aber dazu ein anderes Mal mehr…
Die Kombination von Kraft und Ausdauer war mir von Anfang an wichtig. Wie wichtig das aber wirklich ist, war mir damals gar nicht so bewusst. Ich wusste nur, dass allem Muskeln Kalorien verbrennen.

Mein damaliger erster Lauferfolg war es, 4km am Stück zu laufen. Auch wenn es mit einer 10er-Pace war… Danach war ich fix und fertig – trotz der Gehpausen. Aber irgendwann konnte ich dann sogar 6km am Stück laufen! Ich kann mich noch an dieses wahnsinnige Gefühl von Stolz erinnern, als ich es zum ersten Mal geschafft hab. So schön!

Ohne meine Ernährung umzustellen, nahm ich so etwa 4kg ab, mehr aber auch nicht. Wenn man mit dem Sport beginnt, steigt halt meistens auch der Hunger… Und dann hat man Gedanken à la „Ich war ja heut eh laufen, also darf ich ja mehr essen und was naschen.“. Ist prinzipiell auch in Ordnung, aber im Bezug aufs Abnehmen eher kontraproduktiv.
Erst später lernte ich, dass es allein mit dem Sport nicht so einfach geht, abzunehmen. Aber auch dazu ein anderes Mal mehr…

Jetzt bleibe ich lieber noch beim Laufen. Das Laufen motivierte mich nämlich mit der Zeit immer mehr, weil ich Fortschritte sah. Deshalb meldete ich mich für meinen ersten Lauf an. 5km beim Frauenlauf 2014. Im Training brauchte ich dafür 50 Minuten. Beim Lauf selbst waren es dann 38 Minuten. Ich war sooo stolz! Und bin es immer noch.

Es folgte der Night Run am Ring in Wien im September 2014. Selbe Distanz, 35 Minuten. 3 Minuten Verbesserung in 4 Monaten! Echt gut.

Und da war er… Der Ehrgeiz! Es folgten:

  • 10km beim Frauenlauf 2015 und 2016 (1:10:irgendwas und im Jahr drauf 1:07:55)
  • 6km beim Light Run 2016: Anmalen mit Farben, die im Dunkel leuchten. Siehe Foto unten! (Zeit weiß ich nicht mehr.)
  • 5km beim Wienathlon 2016: Das ist ein Hindernislauf ohne Gatsch und mit Hindernissen in Form von Sofas, Einkaufswagerln, Autobussen etc. (46:58)
  • 10,5km beim Viertelmarathon 2016 in Graz (1:09:38)

Das könnte man jetzt als meine Bestzeitenliste bezeichnen oder so. 😀

Obwohl ich immer meinte, dass 10km meine Distanz sind und ich sicher nicht so deppert bin, einen Halbmarathon zu laufen, entstand im Juni 2016 doch die Idee dazu. Erst war es nur eine kleine Spinnerei, doch der Wunsch wuchs und wuchs und wuchs. Und zack! Der Entschluss stand fest.

Im Nachhinein ist das gar nicht so verwunderlich, behauptet zumindest mein Partner P. Immerhin hab ich nach meinem ersten 5km-Lauf auch behauptet, dass ich sicher nie 10km laufe. Und im folgenden Jahr war es schon so weit!

Aber he. Ernsthaft. Einen Marathon lauf ich sicher nicht. Ich bin ja nicht verrückt! Wirklich!

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6 Replies to “Nun sag, wie hast du’s mit dem Sport?”

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